„10 Thesen zur Männeremanzipation“

Von einer bekannten Person bekam ich folgende Thesen zugeschickt. Die Quelle dafür ist unklar. Ich poste sie hier zur Dokumentation. Allerdings sind verschiedene Stellen, Ausdrucks- und Sichtweisen kritisch zu hinterfragen. Etwa die deteminierte Dimension von Mann/Frau (sic!). Nichtsdestotrotz regen einige Passagen zum Nachdenken an, was als solches ausreichen sollte um sie hier zu veröffentlichen. Viel Spaß dabei!

1. Die „Erfolge“ der Männergesellschaft werden immer fragwürdiger und das tradierte Bild vom Mann als dem Starken, dem Überlegenen, dem Eroberer, dem Sieger und Helden wird zunehmend brüchiger.

2. Die Widersprüche des tradierten Männlichkeitskonzepts nehmen sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich zu. Die Folge ist, daß die Schattenseiten von Männlichkeit sich offenlegen werden.

3. Die Frauenfrage ist eine Männerfrage! Und Männer schweigen dazu politisch, daß Männergesellschaft und Demokratie sich widersprechen.

4. Während die Quotierung die Männerwelt im Kern trifft, igeln sich die herrschenden Männer ein und wehren ein Infragestellen von Männlichkeit ab.

5. Das herrschende Männlichkeitsverständnis ist ein Ausdruck der strukturellen Gewaltverhältnisse der männlichen Herrschaftskultur. Deren „emotionale Substruktur“ dreht sich im Kern um die Frauensucht vieler Männer.

6. Wenn die „bewegten Männer“ ihren embryonalen Zustand verlassen wollen, steht ihr Coming-out als politische Männer unmittelbar an. Die Entfremdungsverhältnisse dieser Gesellschaft machen allerdings gerade vor den männerbewegten Akteuren keinen Halt. Deren Überwindung müßte lauten: Den Anderen stärken, um selbst stärker zu werden.

7. Männeremanzipation zielt auf die Gewinnung des eigenen männlichen Lebenspotentials und damit auf Geschlechterdemokratie.

8. Wichtigstes Prinzip einer alternativen Männerpolitik ist: Männer müssen Macht abgeben und mit Frauen teilen und dabei eine eigene politische Position männlichkeitsbewußter Stärke entwickeln und vertreten lernen.

9. Zur Einschätzung der „Bewegung der Männer“: Emanzipatorische Impulse sind verstrickt in die herrschende Bewußtseinslage und bewegen sich zwischen Kommerz, funktionaler Modernisierung und Sozialpädagogisierung.

10. Ambivalenzen und Widerstände gegen eine Veränderung: Das Patriarchat steckt in uns Männern und Frauen! Und Emanzipation macht Angst.

Maskulistischer „Gender-Kongress“ heute in Nürnberg

Heute findet der „Gender Kongress“ in Nürnberg statt. Initiiert vom „Väter Netzwerk – Kinder brauchen Väter e.V.“ ist es schon der zweite Kongress, nachdem 2015 die erste Tagung stattfand. Hier treffen sich alte und neue Antifeminist_innen, um nach Wegen zu suchen, die eigene Sache bekannter und wirkungsvoller zu machen. Ziel ist somit Öffentlichkeit zu schaffen und sich intern zu vernetzen.

Es handelt sich bei dem Kongress um eine antifeministische Versammlung aus Maskulist_innen, Positivist_innen und leidenden Vätern. Der eigene Anspruch sei ein »überparteilischer«, „getragen von Vertretern und Mitgliedern der Parteien: CDU, CSU, SPD, FDP und LINKE.“. Die Anwesenheit von Partei-Vertreter_innen zielt jedoch nicht nur auf die Rahmung des Kongresses: es sollte davon ausgegangen werden, dass sie sich bewusst, aus inhaltlichen Gründen für ihre Anwesenheit entschieden haben. Besonders nachdem 2015 einige der Eingeladenen ihr Kommen abgesagt haben, sollte innerhalb der Parteien kommuniziert worden sein, um was für eine Veranstaltung es sich handelt.

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Nürnberg, die Stadt des Reichsparteitagsgeländes, ist heute die Stadt der Menschenrechte. (Screenshot der Website des Kongresses)

Inhaltliche Annahmen beruhen allesamt auf der Zweigeschlechtlichkeit. »Frauen wurden bisher im Sinne der Gleichstellungspolitik bevorteilt – jetzt sollte auch an die Jungen, Männer und Väter gedacht werden.« So oder so ähnlich lassen sich die Antworten auf die Fragen der einzelnen Panels erahnen. Wieder nichts neues also. Das Rückwärtsgewandte in vermeintlich modernen Kleidern: Die konsequente Leugnung, dass es mehr als Zwei Geschlechter gibt, ist Bestandteil der maskulistischen Ideologie.

Gender bedeutet Geschlecht. Nicht weibliches oder männliches Geschlecht. Seit den 90´er Jahren jedoch galt: Wo Gender draufsteht, ist Frauenpolitik drin. Diese Einseitigkeit wird auf dem DEUTSCHEN GENDER KONGRESS aufgehoben.

Dass inhaltich mit keinen großen Überraschungen zu rechnen ist, liegt zum einen an dem Networking-Charakter der Veranstaltung und auch deren Unwissenschaftlichkeit. Mehr als die kritische Masse der Vortragenden sind persönlich Betroffene (Väter). Es lassen sich kaum wissenschaftliche_r Referent_innen o.ä. m Ablaufplan finden. Der Kongress soll dazu dienen die notwendige Öffentlichkeit herzustellen. Inwieweit das gelingt, bleibt offen.

„Väter Netzwerk – Kinder brauchen Väter e.V.“

Der veranstaltende Verein, „Väter Netzwerk – Kinder brauchen Väter e.V.“ i.P.v. Jörg Langanke und André Rossnagel, ist ein Akteur der bundesdeutschen Maskulisten-Szene. Zentrales und Sinnstiftendes Element der Arbeit des Vereins, ist die (gern genutzte Floskel der) „Entfremdung“ des Kindes vom Vater. Zwei grundlegende Annahmen der Arbeit des Vereins führen allerdings in die Irre: Zum einen benötigen Kinder einen Vater nicht per se. Es gibt genügend Beispiele, aber auch wissenschaftliche Untersuchungen, in denen entweder nicht festgestellt werden konnte, dass Väter unersetzlich sind oder die eindeutig dafür sprechen, dass Väter durch andere Akteure ersetzt werden können.

Praktisch immer führen diese erzwungene Vaterlosigkeit bzw. die massiven Einschränkungen natürlicher Vaterschaft zu gravierenden Problemen bis hin zu regelrechten Verheerungen in der Entwicklung der so misshandelten Kinder.

Weiterhin bezieht der Verein sich bei der sogenannten Entfremdung auf eine paternalistische Sichtweise und instrumentalisiert damit Kinder. Der Kopf wird auf den Fuß gestellt. Statt Ambivalenzen offen zu legen und Uneindeutigkeiten zu markieren, wird bei jeder möglichen Gelegenheit darauf bestanden, welch gravierenden Folgen ein fehlender und entfremdeter Vater für das Kind hat.

2015 hatten die Veranstalter Probleme ihren Tagungsort zu organisieren. Der Hintergrund waren erfolgreicher Protest und das konsequente Agieren von emanzipatorischen Akteuren. Dieses Einschritten scheint dieses Jahr nicht seine Wirkung entfaltet zu haben. 2019 soll der dritte „Deutsche Gender Kongress“ stattfinden. 2 Jahre Zeit etwas auf die Beine zu stellen!

Feminismus und Populismus zusammen denken? Leider nein, leider gar nicht.

In einem wunderbaren Artikel im roarmag beziehen Laura Roth und Kate Sheah Baird Stellung zu der These, dass entgegen rechtspopulistischer Entwicklungen ein linkes Äquivalent angestrengt werden muss. Sie denken diesen Anspruch mit einer „Feminisierung der Politik“ zusammen und artikulieren (Un-)Möglichkeiten dessen. Sie weisen einen linken Populismus schließlich stark zurück.

In dem Artikel werden in deutlicher Analyse und in Sprache Widersprüche aufgezeigt, die eine Zusammengehen von linkem Populismus und feminisitischer Politik unmöglich machen. Das ist deswegen interessant, weil so deutlich wird, wie männlich unser Politiksystem ist. Unser demokratisches System ist in seinem Grundsatz stark auf Parteien, Einzel- und Führungspersonen, Wahlen aller X-Jahre, inhaltliche Verkürzungen und Homogenisierungen ausgerichtet.

Geschichtlich entstand das Parteiensystem aus männlichen Herraschaftsideen. Charakteristische und beschreibende Begriffe sind Repräsentation, Vereinfachung oder etwa lineares Regieren.

Demasculinizing politics means promoting collective models of leadership that listen and aren’t afraid of expressing contradictions or doubt.¹

Populistische Bestrebungen finden in diesem System einen produktiven Nährboden. Populismus verstärkt die vorhanden Strukturen und spitzt sie zu. Ein homogenisiertes Denken (»wir« gegen »die«) wird deutlicher und unverhohlener artikuliert. Die angesprochene Zielgruppe aka. »der Wähler« (sic!) wird als Einheit gedacht: Alle haben die gleichen Sorgen, Ängste, Nöte und Wünsche. So wird eine einfache Identität konstruiert. Die Perspektive der Einzelnen wird dadurxh ausgeblendet. Dass unterschiedliche Biografien, Hintergründe, Erfahrungen und sozialen Lagen vielfältige Bedürfnisse und Empfindlichkeiten ausmachen bleibt damit unberücksichtigt. Das große Ganze wird über die einzelne Person gestellt.

Äquivalent verhält sich das Artikulieren von Widersprüchen und Befürchtungen in der poltiischen Arena. Es geht um das Demonstrieren von Stärke und Einigkeit.  Programme und Aussagen werden artikuliert, als wären sie die einzig gültige Weisheiten und Lösungen. Da sind Fragende schnell als Querulant_innen denunziert. Dass Gesellschaft komplex ist – und häufig sogar widersprüchlich – wird außenvor gelassen. Die einfache Wahrheit lässt sich eben besser verkaufen und »an den Mann bringen« (sic!).

Der Fokus auf (charismatische) Führungspersonen ist ein weiterer Widerspruch zu einer feministischern Politik. Gut lassen sich solche Funktionsweisen im Moment an Martin Schulz ablesen. Ein paar Floskeln und eine gute Medienstrategie reichen, um einen neuen »Heilsbringer« zu vermarkten. Seine bisher formulierten Ziele und Änderungen der Agenda 2010, sind in Relation zu ihrer medialen Reichweite klein. Vor allem wenn in Bezug gesetzt wird, dass seine Partei die vielen und ausufernden Schwächen der Agenda zu verantworten hat, an der immer noch viele Menschen leiden.

In feministischer Politik läge der Fokus viel eher auf einem kollektiven Aushandlungsprozess statt der Anweisungen einer Person oder einer kleineren Gruppe von Politiker_innen und deren Berater_innen. Aushandlugnsprozesse sind nur durch prozesshafte Diskussionen unter Beteiligung von Vielen in der Lage auf vielfältige Bedürfnisse eingehen zu können. Das simple top-down-Modell hat dafür zu viele blinde Flecken.

Schon erstaunlich, wie viele Widersprüche gleich auf den ersten Blick auffallen. Der erste Blick ersetzt keine ausführliche und differenzierte Analyse – hier würden sicherlich weit mehr Strukturschwächen auffallen. Zuletzt fordern Roth und Baird die praktische Umsetzung der Kritik auf lokaler Ebene – zu utopistisch erscheint eine Umsetzung auf höherer Ebene. Sehr schade!

 

¹https://roarmag.org/essays/left-populism-feminization-politics/

Konferenz zu Arbeit: „Selber Machen“ 2017

Am kommenden Wochende, vom 28. bis 30. April 2017, findet im Bethanien in Berlin ein Kongreß zu linken Perspektiven auf Arbeit („Selber Machen„) statt. Darunter ist auch ein Panel, das sich mit feministischen Perspektiven und selbstorganisierter Frauen*praxis auseinndersetzt. Es ist zwar unangenehm, dass die Nebenwiderspruchsdebatte so viel Raum (auch in Ablehnung) in der Ankündigung bekommt (was anscheinend bedeutet, dass diese Mär noch sehr stark verhaftet ist), aber das Panel ist trotzdem sehr zu empfehlen. Los geht es am Samstag (29. April) um 12:30.

Feminismus, Frauen*selbstorganisierung und das Problem mit dem Nebenwiderspruch

Wir leben in einer sexistischen Welt. Trump, Putin, die AfD und der IS, sogenannte „besorgte BürgerInnen“, christliche FundamentalistInnen und selbsternannte „LebensschützerInnen“ – sie alle vertreten ein zutiefst sexistisches Weltbild. Doch auch Linke, Linksradikale und sich als emanzipatorisch verstehende Menschen sind nicht von Sexismus befreit. Während christliche FundamentalistInnen die körperliche Selbstbestimmungen von Frauen* ablehnen, wird Sexismus in der (zumindest deutschsprachigen) Linken oft als lästiger Nebenwiderspruch betrachtet, der sich mit dem Kampf gegen den Kapitalismus schon von alleine in Luft auflösen wird.

Wir wollen in diesem Workshop drüber diskutieren, wie eine, aus dem Nebenwiderspruch gelöste, feministische Praxis aussehen kann. Dabei möchten wir einen Blick auf die Vergangenheit von Frauen*selbstorganisierung werfen, uns der spezifischen Erfahrung geflüchteter Frauen* widmen, die Zukunft von Feminismus und Frauen*selbstorganisierung ausloten und vor allem eine feministische Perspektive auf Basisorganisierung und Gegenmacht entwickeln. Feminismus soll dabei nicht als „frauen*spezifische“ Thematik behandelt werden, sondern ist für uns vor allem eine Möglichkeit zur Veränderung der Gesellschaft, die uns alle betrifft.

Dazu haben wir Detlef Georgia Schulze und International Women‘s Space eingeladen, um gemeinsam mit uns über die Fragen zu diskutieren. International Women‘s Space entstand als Zusammenschluss von Frauen* in der ehemals besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule, die sich vor allem mit Rassismus, Sexismus und Intersektionalität befasst.  → u. a. mit: International Women’s Space, Detlef Georgia Schulz.

AS.ISM4 erschienen!

Nach fast sechs Jahren veröffentlicht das „Antisexismus Bündnis Berlin“ eine neue Broschüre, die sich mit zeitrelevanten Fragen auseinandersetzt.

AS.ISM4

Die Broschüre versammelt Texte von verschiedenen gesellschaftskritischen Gruppen aus Berlin. So haben u.a. die Emanzipative & Antifaschistische Gruppe [EAG], Andere Zustände Ermöglichen [AZE], Theorie, Kritik, Aktion [TKA], mehrere AGs der Interventionistischen Linken Berlin [IL] und Antifaschistischer Schwarz-Roter Aufbau [ASRA] an der Broschüre inhaltlich mitgewirkt.

Die 40 Seiten sind in einen Theorie-, Organisations- und Praxisteil untergliedert. Neben dem Thema der Zweigeschlechtlichkeit oder der Vereinnahmung von Frauenrechten durch rassitische Gruppen, ist auch das Thema (kritische) Männlichkeit vertreten. All diese Themen beziehen sich auf einen organisierten politischen Kontext und sind auch explizit auf diesen ausgerichtet. Das hindert aber nicht daran, dass die transportierten Inhalte sich auf weitere Bereiche des täglichen Lebens ausweiten lassen und damit für viele Menschen Denkanstöße geben.

Die Broschüre kann unter eag-berlin[at]riseup.net bestellt werden. Online gibt es sie hier.

Die Sprache ist leicht verständlich und damit niedrigschwellig und für viele lesbar – auch ohne Abi und Adorno-Studium. Leider haben sich allerdings einige kleine Fehler eingeschlichen, die das Lesen manchmal anstrengend machen. Das soll aber nicht über die lohnenswerte Inhalte hinwegtäuschen. „Lesen!“ ist daher die klare Empfehlung.

Konferenz der Lifestyle-Machos

Am 13. und 14. Mai findet in Berlin die Konferenz „Mann|Sein – Malevolution“ statt. Es ist eine jener typischen Veranstaltungen, bei der Männer sich untereinander ihres Mann-Seins vergewissern können. Aber bitte: alle(s) straight, no homo!

Konferenz „Mann|Sein – Malevolution“

Es ist schon erstaunlich, wie viel Geld Menschen manchal für irgendwelchen Quatsch in die Hand nehmen. Da lockt eine inhaltsleere, 2-tägige Veranstaltung und die Männer kommen und zahlen 119€ bis 447€. Die Teilnehmenden möchten über „Gesundheit & Fitness“, „Sexualität & Frauen“, „Selbstbewusstsein“ oder auch „Vaterthemen“ reden und informiert werden. Themen, die sozusagen jeden Mann bewegen. Zumindest wird der Anspruch erhoben, schließlich haben ja alle die gleichen Probleme:

Gesellschaftliche Erwartungen gibt es viele: Einerseits sollen Männer fürsorgliche Familienväter und zuverlässige Nestbauer sein. Andererseits auch ein wilder Freigeist, ein Verführungskünstler und ein Hengst im Bett. Ein tapferer Kämpfer, der keinen Schmerz kennt und trotzdem ein einfühlsamer Zuhörer und Partner.

Wer sagt das noch genau? Egal. Männer haben es schon nicht einfach. Da sollen sie verschiedene Anforderungen erfüllen, die sich doch eigentlich unvereinbar gegenüber stehen. Das bekommt niemand und vor allem kein Mann alleine hin. Also ist die Lösung, dass sie gemeinsam versuchen Wege zu finden aus dieser Misere herauszukommen.

Aber wie denn am besten? Sich konstruktiv und kritisch mit den Bildern und Selbstbildern von Männlichkeit zu befassen gehört sicherlich nicht dazu. Das Flirt- oder auch das Selbstbewußtseinstraining ist bestimmt der richtige Weg um sich in einer komplizierten und dynamischen Gesellschaft zurecht zu finden. Affirmation und Selbstoptimierung sind die Zauberwörter! Es geht nicht um gesellschaftliche Anliegen und Ungleichheiten. Der Einzelne, der mit einem guten Selbstwertgefühl und neu gefundenen Gleichgesinnten nach der Konferenz nach Hause geht – der ist das Ziel.

Für mehr Gemeinschaft. Für mehr Klarheit. Für mehr Fülle im Männerleben.

Die Anwesenden eint, dass sie das gleiche Verständnis von Geschlecht haben. Männer und Frauen sind unterschiedlich und vor allem Männer haben es schwer. Die Grenzen zwischen den Geschlechtern ist natürlich und nicht aufhebbar. Mittlerweile sind die Zuweisungen durch die Modernisierung auf der kulturellen Ebene 

Warum die Konferenz….

Allein die Beschreibung macht einige Punkte der Kritik eigentlich banal. Geschlecht ist zwar immer noch eine umkämpfte soziale Kategorie im gesellschaftlichen Diskurs, sie aber mit Natürlichkeit und Binarität zu umschreiben ist schon ziemlich out-of-date.

Die Heteronormativität der Konferenz tut fast schon weh. Man bekommt das Gefühl, dass die Rettung vor der komplizierten Gesellschaft die Einfachheit des eigenen Denkens ist: Es gibt Mann und Frau, beide haben unterschiedliche Eigenschaften und beide gehören irgendwie zusammen. Das ist halt so. Irgendwie. Nach Erklärungen zu suchen ist vergebens.

Die gesellschaftliche Ordnung wird also gar nicht in Frage gestellt. Die eigene Angepaßtheit wird prinzipiell geleugnet. Schließlich müssen Lösungen angeboten und verkauft werden – auch wenn diese eigentlich keine Lösungen sind. Oder höchstens Lösungen für andere Fragen.

Und dass ist wohl ebenso Teil der Wahrheit, wie der inhärente Sexismus: Es geht ums verkaufen! Die vermeintliche Gemeinnützigkeit ist so intransparent wie die Wohltätigkeit eines Banküberfalls.

Bundesgerichtshof urteilt für das Wechselmodell

Vorgestern, am 27. Februar, urteilte der Bundesgerichtshof, dass das Wechselmodell nicht gegen geltendes Recht spricht – so lange es die Umstände zulassen. Väterrechtler klopfen sich dafür auf die Schulter. Von wichtiger Seite bleibt es hingegen Still.

Väterrechtler freuen sich über diesen Etappensieg: der Bundesgerichtshof hat in einem Fall entschieden, dass das Wechselmodell sowie auch das Residenzmodell (unter bestimmten Voraussetzungen) eine Möglichkeit des Umgangs mit dem Kind sein kann. Zu den Voraussetzungen gehört das Kindeswohl und dass das Kind ein Mitspracherecht hat und dieses mehr Gewicht bekommt je älter das Kind wird. Außerdem greift das Wechselmodell nicht unbedingt in Fällen von Streit und unverhandelbaren Positionen der Elternteile.


Das Wechselmodell bedeutet für die Beteiligten, dass das Kind zu gleichen Teilen bei den getrennten Eltern aufwächst. Die einzelnen Regelungen können unterschiedlich aussehen. So kann wöchentlich gewechselt werden oder es gibt einen festen, regelmäßigen Rhythmus zwischen bestimmten Wochentagen.

Abgrenzend dazu lassen sich etwas das Nestmodell oder das Residenzmodell ausmachen. Letzteres ist in Deutschland geläufig und meint, dass der Lebensmittelpunkt des Kindes bei einem Elternteil liegt. Das Nestmodell bedeutet, dass das Kind einen festen Lebensmittelpunkt hat und die getrennten Eltern wechselseitig in dieser dritte Wohnung leben.


Das Wechselmodell ist darauf angewiesen, dass die getrennt lebenden Eltern miteinander kommunizieren und Bedürfnisse und Pläne aushandeln können. Gerade bei strittigen Ex-Paaren hilft das neu ins Spiel gebrachte Modell allerdings kaum etwas. Schließlich ist es zu einem hohen Maße an die Kooperation der beteiligten Ex-Partner_innen gebunden.

Diese Neuausrichtung der Frage, was mit dem Kind nach der Trennung der Eltern passiert, bedeutet die Möglichkeit, dass es zu gleichen Teilen bei Mutter und Vater (sic!) wohnen und leben kann. Eigentlich ging das schon lange. Offiziell ist es erst jetzt möglich. Eine Woche hier, eine Woche da. Ein paar Tage hier, ein paar Tage da. Dabei sollte auf Regelmäßigkeit der Wechsel geachtet werden, um den Stress zu minimieren. Durch das Wechselmodell soll sichergestellt werden, dass die Beziehung zwischen den Eltern und dem Kind erhalten bleibt. Zudem soll dadurch die Selbstbestimmung des Kindes gestärkt werden.

In der Berichterstattung geht häufig die enorme materielle Belastung unter, die das Wechselmodell mit sich bringt. Immerhin bedeutet es mindestens 2 Kinderzimmer. Jeder Elternteil muss dafür Sorge tragen, dass das Kind bei ihm unterkommt. Die andere Zeit, während das Kind bei dem anderen Elternteil ist, bleibt das Zimmer leer. Auch Bett, Bettwäsche, Spielsachen, usw. müssen annähernd doppelt vorhanden. Das können sich viele nicht leisten und ob staatliche Hilfsleistungen dafür vorhanden sind und auch ausgezahlt werden? Keine_r weiß es! Tendenz: eher nicht.

Interessant an dem Urteil und in der Berichterstattung darüber ist, dass Eltern nur als Mutter-Vater-Konstellation Eingang in die Diskussion finden. Trans* oder homosexuelle Paare bleiben ausgespart. Das ist auch insofern interessant, als die freudigen Erregungen der Väterrechtler und die Gegenreaktionen keinerlei Bezugnahme hierauf enthielten. Diese Thematisierung findet einfach nicht statt. Die gesamte Diskussion steckt in der heteronormativen Falle. Auf einschlägigen queeren Seiten und Informationsportalen ist wenig bis gar nichts zu dem Urteilsspruch zu finden. Das ist sehr schade, da es hier eine Menge Potential gibt, in der Öffentlichkeit queer-feministische Positionen zu beziehen.